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Handwerk, das nie aufhört zu wachsen – meine Fortbildung in Gotischer Kursive

Als Kalligrafin weiß ich: Eine Schrift wirklich zu beherrschen, bedeutet ein Leben lang zu lernen. Und genau das liebe ich an meinem Beruf. Letztes Wochenende habe ich dieses Prinzip wieder einmal gelebt – mit einer Fortbildung in Gotischer Kursive.


Eine Schrift mit Geschichte und Charakter

Die Gotische Kursive ist keine Schrift für Ungeduldige. Sie hat Ecken, Winkel und eine Strenge, die gleichzeitig faszinierend und einschüchternd ist. Entstanden im Mittelalter, war sie über Jahrhunderte die alltägliche Schreibschrift in weiten Teilen Europas – schneller als die aufwendige Textura, aber ebenso ausdrucksstark.

Für mich als Kalligrafin war es an der Zeit, diese Schriftform endlich tiefer zu erkunden und in mein Repertoire aufzunehmen. Denn wer nur das beherrscht, was er kennt, bleibt stehen.


Lernen in einer Atmosphäre, die inspiriert

Was eine gute Fortbildung ausmacht, ist nicht allein das Wissen, das vermittelt wird. Es ist der Raum, in dem gelernt wird – im übertragenen wie im wörtlichen Sinne.

Der Raum, in denen wir arbeiteten, waren wunderbar: hell, ruhig, mit genug Platz für Tinte, Papier und die nötige Konzentration. Und die Kursleiterin? Julia Winkler, eine fabelhafte Künstlerin, die ihr Handwerk nicht nur beherrscht, sondern auch mit echter Leidenschaft teilt. Solche Menschen inspirieren nicht nur durch ihr Können, sondern auch durch ihre Haltung gegenüber der Arbeit.

Die Atmosphäre war entspannt, offen und kollegial – genau das, was intensives Lernen braucht.

Ein wunderschönes Ambiente auf Schloss Kapfenburg
KissingLetters Skriptorium auf Schloss Kapfenburg

Ohrwürmer als Übungstexte

Jede Kalligrafin kennt das Problem: Man braucht Texte zum Üben. Immer wieder denselben Satz schreiben, die Feder führen, den Rhythmus der Buchstaben verinnerlichen – das funktioniert am besten mit Wörtern, die einem leicht von der Hand gehen.

Meine Lösung diesmal: Ohrwürmer. Songtexte, die ich sowieso nicht mehr aus dem Kopf bekam, wurden kurzerhand zu Übungsmaterial. Das hat nicht nur praktisch funktioniert – es hat auch für so manches Schmunzeln gesorgt. Wenn ein moderner Popsong plötzlich in mittelalterlicher Schrift auftaucht, entsteht eine ganz eigene, charmante Spannung.

Manchmal sind es die kleinen kreativen Umwege, die das Üben lebendig halten.


Warum berufliche Weiterbildung für mich keine Option, sondern Haltung ist

Als Kalligrafin bin ich Handwerkerin. Und Handwerk lebt davon, dass man es pflegt, vertieft und erweitert. Neue Schriften zu lernen bedeutet für mich nicht nur, mein Angebot zu vergrößern – es bedeutet, meinen Blick zu schärfen, meine Sensibilität für Form und Rhythmus zu verfeinern.

Die Gotische Kursive hat mir gezeigt, wie viel es noch zu entdecken gibt. Und das ist kein ernüchternder Gedanke, sondern ein beglückender.


Was als Nächstes kommt

Die Gotische Kursive ist jetzt Teil meines Repertoires – und ich freue mich darauf, sie in neuen Projekten einzusetzen. Ob für handgeschriebene Einladungen, Urkunden, Zitate oder individuelle Kunstwerke: Diese Schrift bringt eine Tiefe und Würde mit, die einfach unverwechselbar ist.

Ihr habt ein Projekt im Kopf, bei dem Gotische Kursive eine Rolle spielen könnte? Ich freue mich auf eure Nachrichten. ✍️

Übungsblatt Gotische Kursive
Somewhere beyond the sea

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